Merle-Lindemann-Krefeld

krosta.tv vor Ort: Stoppt Rheinmetall, Rede von Merle Lindemann

Die Demo in Krefeld am 7. März 2015: „Stoppt Rheinmetall – Rüstungsexporte stoppen – Rüstungslobbyismus beenden – Nie wieder Krieg von deutschem Boden“

Rüstungsexporte stoppen – Rüstungslobbyismus beenden – Übergänge in zivile Wirtschaftsoptionen ebnen.

Die ganze Rede von Merle:
Liebe friedensbewegte Mitmenschen,

die meisten von uns stehen inzwischen seit etlichen Monaten auf der Straße oder leisten auf anderen Wegen Friedensarbeit, viele sogar schon seit etlichen Jahren. Die Zuspitzung auf nahezu allen denkbaren Ebenen des politischen Weltgeschehens und des öffentlichen Lebens in der jüngeren Vergangenheit ist der Grund dafür, dass wir auch heute wieder hier stehen.

Die Motivation, für den Frieden zu sprechen, ist dabei einfach nur grundlegend menschlich, denn eine Lebensform, die unter bedrohlichen und unfriedlichen Bedingungen bis hin zum Kriegszustand existieren muss, kann sich in ihrer Gesamtheit nicht voll entfalten. Und wir reden hier lange nicht mehr von so etwas wie einem biologischen Entwicklungsdruck, der bestimmte Potentiale freisetzen könnte.

Diesen Druck haben wir allein schon durch das Wissen um die Tatsache, dass große Teile unserer momentanen Lebensgrundlagen früher oder später verbraucht sein werden und wir zum Überleben unserer Spezies langfristig Alternativen entwickeln müssen.
Nein, wir reden hier von Bedingungen, die ein so immenses Zerstörungspotential in sich tragen, dass sie das Leben als solches ad absurdum führen. Wir reden von Krieg.

Wir reden davon, was Krieg und Kriegsgefahr mit Menschen und ihren Gemeinschaften machen. Und wir reden heute nicht ausschließlich von den direkten Betroffenen, sondern auch davon, welche fatalen Auswirkungen es auf von Krieg vermeintlich profitierende Gesellschaften hat, wenn es uns so gar nicht mehr stört, dass von Krieg profitiert werden KANN.

Und damit sind wir an dem Punkt, warum wir heute ausgerechnet hier stehen.

Die Information, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist und diesem Wirtschaftszweig einen großen Teil seines Wohlstands verdankt, können wir inzwischen im Schlaf runterbeten.
Aber ich begreife einfach nicht, warum das so völlig ohne Konsequenzen bleibt.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen in ihrem gesellschaftlichen Selbstverständnis wirklich noch glauben, dass wir „die Guten“ sind oder mindestens aber, dass „die anderen“ auch nicht besser seien und diesen Glauben für irgendeine Form von Legitimation halten, das Falsche zu tun.

Was ich aber weiß, ist, dass die Rheinmetall AG,

– vor der wir heute bloß stellvertretend für viele, viele andere Rüstungskonzerne demonstrieren –

rund 50% ihres Gesamtumsatzes von fast fünf Milliarden Euro mit Rüstungsgütern erwirtschaftet. Und ich weiß, dass die weltpolitische Lage immer angespannter wird, dass immer mehr Konflikte gewaltsam zu eskalieren drohen oder es bereits tun.

Wir haben also eine Situation vor uns, in der zu erwarten ist, dass Rüstungsgüter nicht bloß Statusobjekte sind (wobei man sich an dieser Stelle auch ruhig mal überlegen darf, von welcher Qualität ein Status ist, den man mit dem Besitz von Waffen repräsentieren muss), sondern dass diese Waffen zum Einsatz kommen, noch deutlicher: Menschen töten werden.

Jede Faser von Menschlichkeit in uns MUSS an dieser Stelle rufen:
„Das ist falsch!“

Wenn das Töten von Menschen falsch ist, was wir nicht nur aus religiöser Überzeugung, sondern vor allem durch unser Erleben von menschlichem Miteinander wissen, dann KANN es nicht richtig sein, daran zu verdienen, wenn andere an unserer Stelle töten.
Das ist doch keine Erkenntnis, die besondere intellektuelle Fähigkeiten erfordert. An der Stelle, wo diese Erkenntnis nicht mehr getroffen werden kann, wage ich es, mit Fug und Recht von Degeneration zu sprechen. Denn genau das bedeutet es, wenn eine Spezies eine Eigenschaft bis hin zum vollständigen Verlust zurückbildet. Der Begriff „Menschlichkeit“ soll unser Wesen beschreiben und alle Worte, die man damit verbindet wie „Güte, Gnade, Mitgefühl, Vergeben, Sanftheit, Miteinander usw.“ sind ausschließlich positiv besetzt. Wir können es uns nicht leisten, diese Eigenschaft zu verlieren, denn wir haben nichts, was sie auch nur annähernd ersetzen könnte.

Nun versucht man uns aber einzureden, dass dieser Bruch mit der Menschlichkeit notwendig sei, um unseren Wohlstand zu garantieren.
Abgesehen davon, dass wir hier nur vom Wohlstand einiger Weniger sprechen können, werden mit so einer Aussage bloß Abstiegsängste einer ganzen Gesellschaft geschürt.

Doch wie viel tiefer kann eine Gesellschaft überhaupt sinken, wenn sie bereit ist, ihre Menschlichkeit gegen einen vermeintlichen Wohlstand einzutauschen?

Und wer macht solche Aussagen von der Notwendigkeit von Waffenexporten?

Vorzugsweise hören wir sie von Menschen, die dafür gewählt wurden, unser Zusammenleben zu organisieren. Wenn sie das nur können, indem sie uns alle gegen unseren ausdrücklichen Willen mitschuldig machen am strukturellen Morden, dann steht ihnen diese Position nicht zu.
Und dass sie es über diese ganz offensichtliche Inkompetenz hinaus noch wagen, auf andere Völker herabzusehen und glauben, ihnen irgendetwas vom guten oder richtigen Weg erzählen zu dürfen, dürfen wir ihnen nicht länger durchgehen lassen.

Dankeschön.

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